Anleitung zur Aussaat von Kakteen

Zurück zur Homepage


Tipp: Sie können sich diese Seite auch ausdrucken.

Allgemeine Hinweise

Es gibt verschiedene Methoden zu Aussaat von Kakteen, ein recht einfaches Verfahren, das ohne besondere Vorrichtungen auskommt, soll hier beschrieben werden.
Die Aussaat erfolgt in der Zeit von Mitte Mai bis Anfang August. Falls Sie die Möglichkeit zum Beheizen der Saatschalen haben, können Sie auch schon Ende Februar mit der Aussaat beginnen.
Bis dahin sollten Sie den Samen kühl und trocken lagern. Die Keimfähigkeit von Kakteensamen bleibt bei einigen Gattungen (z.B Echinopsis) einige Jahre erhalten; andere Gattungen (z.B. Rebutia) sollten dagegen spätestens im Jahr nach der Ernte ausgesät werden. Als Faustregel gilt: je kleiner die Samenkörner, um so schneller nimmt die Keimfähigkeit ab.
Das größte Problem bei der Aussaat besteht darin, daß die Samen unter Bedingungen keimen, die auch Algen, Moosen und insbesondere Pilzen hervorragende Entwicklungsmöglichkeit bieten. Deshalb müssen vor der Aussaat Erde, Aussaatschalen und Samen gründlich desinfiziert werden.

Benötigte Gerätschaften, Vorbereitung zur Aussaat

Als Aussaatschalen eignen sich im Prinzip alle flachen Gefäße, die durch Löcher im Boden gleichmäßig bewässert werden können und sich mit einer Glasscheibe, Folie o.ä. dicht abdecken lassen. Für jede Kakteenart müssen einzelne Felder abgeteilt werden (für 25 Korn Samen reicht eine Fläche von 3 x 3 cm). Sehr gut geeignet sind kleinere Sortimentskästen mit durchsichtigem Deckel aus Kunststoff. Vor dem Einfüllen der Erde sollte das Aussaatgefäß desinfiziert werden (spülen mit 70prozentigem Alkohol, oder wenn das Material es zuläßt durch Auskochen).

Als Aussaatsubstrat eignet sich handelsübliche Aussaaterde, die von groben Bestandteilen befreit wird. Vor der Verwendung muß die Erde unbedingt gedämpft werden. Ideal hierfür ist ein (ausgedienter) Schnellkochtopf, in dem die Erde ca. eine Stunde dem heißen Wasserdampf ausgesetzt wird. Steht ein solcher Schnellkochtopf nicht zur Verfügung, können Sie auch folgendermaßen vorgehen: über einem größeren Kochtopf mit Wasser wird ein Tuch befestigt und die Erde eingefüllt. Das ganze wird mit einem weiteren Tuch abgedeckt und mindestens 2 Stunden am Kochen gehalten.

Zum Beizen des Samens wird am besten ein Trockenbeizmittel verwendet (Zineb, Captan o.ä). Der Samen wird hierzu in ein kleineres Gefäß (z.B. Tablettenröhrchen) gegeben und mit einer geringen Menge des Beizmittels geschüttelt bis das Beizmittel als feiner Belag die Samenkörner überzieht. (Abb.1)
(Anmerkung: Falls Sie den Samen bei mir gekauft haben, so ist dieser bereits gebeizt, und Sie können die vorstehend beschriebene Prozedur überspringen.)

Die Aussaat

Die Erde wird in die Aussaatgefäße gefüllt (1-2 cm hoch) und gut glattgestrichen (nicht festdrücken !). Der Samen wird danach auf der Oberfläche der vorbereiteten Aussaatfelder verteilt und leicht angedrückt. Der Samen darf nicht völlig von der Erde bedeckt werden, damit er dem Licht ausgesetzt ist, andererseits müssen die Samenkörner etwas in die Erde hineingedrückt werden um nicht auszutrocknen.
Machen Sie sich unbedingt Notizen zu den ausgesäten Kakteenarten (z.B. durch Nummerieren der Aussaatfelder oder Stecketiketten direkt in den Aussaatfeldern) !
Die Saatschalen werden nun solange in abgekochtes (aber nicht mehr heißes) Wasser gestellt, bis die Erde von unten her völlig durchfeuchtet ist und danach dicht abgedeckt. Zwischen der Erde und der Abdeckung sollten 1-2 cm Platz bleiben. (Abb.2)

Die Schalen werden nun für einige Wochen an einen möglichst hellen, vor Regen geschützten (evtl. zusätzliche Glasscheibe), aber unbedingt vor direkter Sonnenbestrahlung geschützten Platz gestellt.

Behandlung der Saatschalen

Die Erde darf wärend des gesamten Keimprozesses nicht austrocknen ! Nach einigen Tagen bis Wochen erscheinen dann die Kakteensämlinge als winzige grüne Kugeln. Kontrollieren sie Ihre Aussaaten regelmäßig auf Pilzbefall (Schimmelflecken). Sollten sie derartiges feststellen, können Sie versuchen den Pilzbefall mit pilzhemmenden Mitteln einzudämmen und/oder brechen Sie den Keimvorgang ab, indem Sie die Abdeckung einen Spalt geöffnet lassen und die Erde etwas trockener halten. Falls Sie allerdings ein fadenförmiges, weißes Pilzgeflecht (Vermehrungspilz) feststellen,dann sollten Sie den Inhalt der betroffenen Saatschale vorsichtshalber vernichten, bevor weitere Schalen infiziert werden.
Nach dem Keimvorgang (spätestens nach 6-7 Wochen) werden die Abdeckungen leicht geöffnet und die Erde wird trockener gehalten. (Abb.3) Die Kakteensämlinge sollten nun zügig wachsen.

Das Pikieren der Sämlinge

Wenn das Wachstum der Sämlinge stagniert, Pilze, Algen oder Moose auftreten, die Sämlinge nicht mehr genug Platz haben - spätestens aber Mitte bis Ende September - ist es an der Zeit, die Aussaaten zu pikieren. Pikiert wird in flache Schalen, die mit frischer, möglichst gedämpfter Erde etwa 4 cm hoch gefüllt werden. Die Sämlinge werden vorsichtig aus den Aussaatgefäßen entnommen, die Wurzeln vorsichtig von der alten Erde befreit und in die frische Erde eingesetzt (ein Streichholz leistet dabei gute Dienste). Die Wurzeln müssen gerade nach unten in vorbereitete Löcher gesteckt werden und der Abstand der Pflanzen zueinander sollte etwa halb so groß sein wie der Durchmesser der Pflanzen. (Abb.4)
Die Schalen werden nun noch für einige Tage schattig gestellt; später vertragen die Pflanzen auch mäßige Sonnenbestrahlung. Die Erde sollte bis zum Beginn des Winters stets eine milde Feuchtigkeit aufweisen.
Einjährige Kakteensämlinge dürfen auch im Winter an einem hellen (evtl. Zusatzbeleuchtung) und warmen Platz weiter wachsen oder werden, wie die älteren Kakteen kühl und trocken überwintert. (Abb.5)
In den Nächsten beiden Jahren sollten die Pflanzen noch 2-3 mal pikiert werden. Setzen Sie diese nicht zu weit auseinander (immer ca. einen halben Pflanzendurchmesser), da junge Kakteen in Gesellschaft besser wachsen. Ab einem Durchmesser von 3-4 cm können Sie die Kakteen dann einzeln in Töpfe setzen.

Zum Schluß noch ein Rat: Setzen Sie auf Klasse, nicht auf Masse. Pikieren Sie immer nur die größten, schönsten und gesunden Pflanzen weiter. Sie werden dann vielleicht nur 3-4 Exemplare aus 20 oder 25 Korn Samen heranziehen, an denen Sie aber um so mehr Freude haben. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn sich der Erfolg nicht beim ersten Versuch einstellt. Sammeln Sie eigene Erfahrungen, diese sind durch die beste Anleitung nicht zu ersetzten.

Friedhelm Günther
Januar 1998

Weitere Links

Zurück zur Homepage